Im Verlauf der Jahrhunderte kamen viele Hungersnöte und Naturkatastrophen über die Insel. Am schlimmsten wirkte sich ein Vulkanausbruch im Süden Islands über das Land aus. Der Ausbruch der Lakispalte 1783, führte zu einem monatelangen Ascheregen, der das von vorneherein schon spärliche Weideland vergiftete. Ungefähr ein Viertel des Pferdebestandes verhungerte, der eintretende Winter führte ebenfalls zur weiteren Dezimierung des Bestandes.
Langsam erholte sich das Land wieder von der Katastrophe und die Industrie hielt Einzug. Während der Industrialisierung begann auch der Export von Pferden ins Ausland. Am höchsten war die Exportrate nach Großbritannien. Hier wurden die starken aber kleinen Pferde in den Kohlegruben eingesetzt. Für die Pferde bedeutete das ein unerfreuliches Pferdeleben in der Dunkelheit, oft auch verbunden mit einer totalen Erblindung. Einmal in die Tiefe der Kohlenschächte hinunter gelassen, konnten sie das Sonnenlicht nie wieder sehen.
Islandpferde wurden immer mehr zu Gebrauchsartikeln umfunktioniert. Sie zogen Karren und trugen Gepäck. Als das Automobil in Island Einzug hielt, waren Pferde allenfalls nur noch dazu da, festgefahrene Autos (man erinnere sich an die Straßenzustände) aus dem Schlamm zu ziehen.
Die Pferde gerieten in Vergessenheit, zumindest bei der Stadtbevölkerung. Die Bauern benötigten ihre Pferde immer noch um auf ihnen zu reiten.
Doch schon bald besannen sich die Isländer wieder auf ihre vierbeinigen Freunde. Sie gründeten Vereine und führten landesweite Treffen, die sogenannten Hestamóts durch. Nachdem auch die Pferdefreunde der ganzen Welt vom Virus des Islandpferdes befallen waren, wurden internationale Treffen veranstaltet. Das Landsmót findet alle 4 Jahre auf Island statt, die übrigen Jahre ist das internationale Pferdetreffen in anderen europäischen Ländern zu Gast. Die alle zwei Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften der Islandpferde gewinnen, von Mal zu Mal, mehr an Aufmerksamkeit. Der Siegeszug des Islandpferdes scheint nicht mehr aufhaltbar.
Die erste deutsche Zuchtstätte in Ilten bei Hannover experimentierte züchterisch seit 1904 auch mit Islandpferden für den eigenen landwirtschaftlichen Bedarf. Reiterlich waren Islandpferde zu diesem Zeitpunkt noch völlig uninteressant. Die Verfilmung eines Kinderbucherfolges löste dann ab 1954 die erste große Begeisterungswelle aus: Ursula Bruns „Dick und Dalli und die Ponys“. Als „Mädels vom Immenhof“ tölten sie bis heute über deutsche Fernsehschirme. Seitdem hat das Islandpferd eine Revolte angezettelt, die vieles veränderte und manche Grundsätze der üblichen Pferdehaltung und Reitweise erschüttert hat. Robusthaltung, artgerechtes Leben im sozialen Herdenverband, Fütterung, Ausbildung - Islandpferde haben vieles verändert, auch das Bewusstsein für andere Reitweisen und Reitkulturen.
Die Geschichte des Islandpferdes in Deutschland begann in den sechziger Jahren, muß aber als weltweiter Siegeszug dieser Rasse gesehen werden. 1967 wurde der Islandpferde-Reiter und Züchterverband (IPZV) gegründet, der heute 16.000 Mitglieder umfaßt, die in zehn Landesverbänden und 110 örtlichen Reitvereinen organisiert sind. Diese Mitglieder erfreuen sich an einem Potential von nahezu 50.000 Islandpferden.
Rassemerkmale
Grösse: 125 bis 145 cm (Ausnahmen bestätigen die Regel) Farbe: Alle Farben in allen Variationen (ca. 40) und Schattierungen, am häufigsten Rappen, Braune und Füchse. Islandpferde besitzen ein Stockmaß von ca. 130 bis 145 cm und einen kräftigen aber eleganten Körperbau. Sie werden erst relativ spät eingeritten (ab ca. vier Jahren), erreichen aber ein hohes Alter (25 Jahre sind keine Seltenheit). Die Farbenvielfalt ist außerordentlich, das Fell (insbesondere das lange und dichte Winterfell) und die Behänge sind ein unverkennbares Merkmal dieser Pferde. Charakter: Gutmütig, ungewöhnlich ausdauernd, robust, wetterhart, widerstandsfähig, langlebig, geduldig, erstklassiges Familienpferd. Eine weitere Besonderheit des Islandpferdes sind die Gangarten Tölt und Paß die es von gewöhnlichen Pferderassen unterscheidet .
Gangarten:
Die Gangarten des Islandpferdes sind: Schritt, Trab, Tölt, Galopp und Pass. Die Gangarten Schritt und Galopp beherscht jedes Islandpferd. Trab hingegen muss einigen Islandpferden, falls sie es nocht nicht können, antrainiert werden. Die Fähigkeiten zu tölten besitzt nicht jedes Islandpferd. Diese ist vom Talent und dem Exterieur abhängig. Der Paß, und insbesondere der Rennpaß, ist eine Seltenheit bei einem Islandpferd. Über ihn verfügen nur wenige Pferde. Man kann das Islandpferd, auf seine Gangart bezogen, in drei verschiedene Kategorien einteilen:
Dreigänger: Schritt, Trab und Galopp
Viergänger: Schritt, Trab, Tölt und Galopp
Fünfgänger: Schritt, Trab, Tölt, Galopp und Paß
Als ideales Islandpferd wird das fünfgängige Islandpferd bezeichnet. Alle Gangarten des Islandpferdes sind Naturgangarten. Dieses beweist sich durch das Zeigen aller Gangarten in freier Wildbahn und auf der Weide.
Tölt: das Islandpferd ist wohl am bekanntesten für seinen Tölt. Diese Gangart ist für den Reiter sehr bequem zu sitzen. Die Geschwindigkeit beim Tölt kann variieren, zwischen einer Geschwindigkeit von Schritt bis hin zum Galopp. Von einem "Naturtölter" spricht man, wenn das Fohlen schon auf der Weide frei tölten. Von einem "Traber" spricht man, wenn das Pferd selbst nach seiner Ausbildung nicht in der Lage ist zu tölten. (Die Abb. unten ist ein Ausschnitt der Töltfußfolge)
Paß: Es gibt auf der Welt viele Pferde die Paß gehen können. Schon früher, als das Pferd noch als Reisepferd gebraucht wurde, waren diese bequem zu reitenden Pferde, sehr beliebt. Später, als die Postkutschen einzug hielten, wurden trabende Pferde bevorzugt, da diese duchr die diagonale Bewegung besser für das Geschirr geeignet waren. Der Paß kann in drei Kategorien unterteilt werden. Den langsamen Reisepaß, den schnellen Paß und den Rennpaß.

Sehr gute und detaillierte Beschreibungen der Gangarten finden sich auch im Buch "Islandpferde-Reitlehre" von Rostock/Feldmann (s. unter Literatur)