Islandpferdedistanz

Training


Was ist die richtige Trainingsintensität?
Wie lang sollen die Strecken sein?
Wie lang darf das Training dauern?
Oder Wie oft pro Woche soll das Training durchgeführt werden?


Die Antworten zu diesen Fragen würden für jeden unterschiedlich ausfallen, da es u.a. auf folgendes ankommt:

  • den Trainingszustand des Pferdes.
  • die Zielsetzung. Immerhin besteht ein Unterschied darin, ob Sie für einen 30 km, 50 km oder vielleicht sogar 160 km langen Ritt trainieren.
  • das Alter des Pferdes
  • Ausbildungsstand des Pferdes
  • Ausbildungsstand des Reiters
  • die Aufzucht des Pferdes
  • ggf. die Kranheitshistorie des Pferdes

    Bitte erwarten Sie an dieser Stelle kein ausgeklügeltes Trainingskonzept. Aus den vorgeschlagenen Trainingsmethoden, sollen Sie nur in der Lage sein ein individuelles Programm für Ihr Pferd zu erstellen. Die nun folgenden Empfehlungen sollen nur als Denkanstöße, Faustregeln oder Richtwerte gelten. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl. Sie kennen Ihr Pferd am besten. Bei individuelle Trainingshilfen stehen wir gerne mit Rat und Tat zur Seite. info@islandpferdedistanz.de

    Im Humansport ist jeder Athlet für sich selbst verantwortlich, aber im Sport mit Pferden übernehmen wir, die Reiter, die Verantwortung über unsere vierbeinigen Sportpartner. Beim Training sollte trotz der verfolgten Leistungssteigerung nie die Gesunderhaltung des Pferdes außer Acht gelassen werden. Im Training gilt das Selbe, wie auf allen Distanzritten:
    Null Toleranz bei Schäden am Pferd!

    Die Leistungsfähigkeit eines jeden Pferdes ist, wie beim Menschen, von Pferd zu Pferd unterschiedlich. Bevor man mit dem Training anfängt sollte man sich sein Pferd genau ansehen und den Allgemeinzustand bestimmen. Ein guter Allgemeinzustand stellt sich wie folgt da: das Pferd hat einen gesunden Appetit, fester Kot, Spaß an der Arbeit, glänzendes Fell, klare Beine und Gänge.

    Das Training kann grob in 5 Phasen aufgeteilt werden:

    1. Phase: Mineralisierung
  • Dressurarbeit ist in dieser Phase sehr wichtig. Sie sollten Ihr Pferd Gymnastizieren und Geraderichten. Mit der Dressurarbeit stellen Sie auch Kommunikationswege und Gehorsam für die späteren Ausritte und das Training her.
  • Das Pferd sollte an Belastungen herangeführt werden. Falls das Pferd z.B. lange Zeit nur auf der Weide stand oder im Stall, sollten die ersten Ritte ausschließlich im Schritt erfolgen.
    2. Phase: Aufbautraining
  • In dieser Phase sollten Sie Ihr Pferd an das durchgängige, gleichmäßige "Joggen" gewöhnen.
    Das liegt meist zwischen T5 und T6.
  • An einigen Tagen ist ein kurzes Intervalltraining, bestehend aus Trab- und Töltabschnitten, zur Stärkung der Muskulatur eine willkommende Abwechslung.
  • Dressurarbeit, damit arbeiten Sie weiterhin an der Gescheidigkeit, Rittigkeit Ihres Pferdes und der Kommunikation zwischen ihm und Ihnen.

    Wichtig ist es beim Training das "Joggingtempo" seines Pferdes zu finden. Meistens liegt dieses zwischen 10-14 km/h. Sie sollten das Gefühl haben, dass Ihr Pferd nicht rast, sondern in diesem Tempo locker (natürlich erst wenn es genügend Kondition hat) 
    15 km durchtraben könnte. Selbst wenn das entspannte "Joggingtempo" des Pferdes anfangs noch eher langsam ist, seien Sie unbesorgt, dass kann später erhöht werden. Außerdem ist es wichtig sich eine Trainingsstrecke zu suchen dessen Länge man kennt.

    Während des Trab Reitens empfehlen wir den Entlastungssitz.

    (Abb. Feldmann)

    Beim Entlastungssitz behalten die Bügel ihre normale Länge. Der Reiter geht mit dem Oberkörper leicht nach vorne und nimmt dabei das Gewicht leicht aus dem Sattel, ist aber mit dem Gesäß nur wenige Millimeter über dem Sattel. Man schwebt sozusagen über dem Sattel und hat minimalen Kontakt. Die Beine werden relativ gestreckt gehalten. Das Pferd wird durch den Entlastungssitz sehr viel weniger belastet als durch den Vollsitz.

    3. Phase: Ausdauertraining
  • In dieser Phase wird nun die Kondition Ihres Pferdes aufgebaut. Das bedeutet: reiten, reiten und nochmals reiten. Ideal wäre es wenn Sie schon 2-4 unterschiedlich lange Trainingsstrecken (Referenzstrecken) hätten. Die länge dieser Strecken hängt von Ihrem Ziel und verfügbaren Gelände ab. Trainieren Sie z.B. f ür einen 30 km Ritt wären z.B. 3 km, 8 km und 16 km lange Strecken ideal. Optimal ist es, wenn die wöchentlich gerittenen Kilometer zusammen gerechnet so hoch sind (oder etwas höher, wäre ideal), wie die zu reitende Wettkampfstrecke lang ist. Beispiel: Training Mo 8 km, Mi 8 km und Samstag 16 km = 32 km oder Mi 15 km, Sa 20 km.
    Je länger man trainiert, desto weniger Zeit benötigt man für diese Strecken, durch die immer kürzer werdenden Schrittphasen.
    Falls Sie mit einer Pulsuhr reiten sollten achten Sie darauf, dass der Puls Ihres Pferdes im Trab nie höher als 140 Schläge pro Minute ist. So sind sie im Aeroben-Bereich und bauen Kondition auf. Ein zu schnelles reiten kann das Gegenteil bewirken.
  • Dressurarbeit immer wieder zwischendurch.
    4. Phase: Krafttraining
  • 1-2 Monate vor dem Wettkampf können Sie (falls Ihr Pferd bis dahin schon die 3. Phase erfolgreich durchlaufen ist) mit dem Krafttraining beginnen.
  • Dressurarbeit
    5. Phase: Abschlusstraining
  • 7 Tage vor dem Distanzritt sollten Sie ein letztes Mal Ihre längste Referenzstrecke reiten. Danach muss eine deutliche Trainingsreduzierung erfolgen. Nur noch leichtes Training. Ihr Pferd soll seine Kondition nun nicht mehr steigern, es reicht Sie durch kurze entspannte Ritte zu halten. Ein Tag vor der Abreise bzw. vor der Veranstaltung ist ein Ruhetag für Ihr Pferd sehr wichtig. (Bei Pferden die ausschliesslich in einer Box gehalten werden, bitte die Pferde leicht im Schritt trainieren.)

    Am objektivsten können Sie Ihr Training mit einer Pulsuhr überwachen, da z.B. ein Puls zwischen 110 und 140 Schlägen pro Minute den größten Leistungszuwachs erzielen kann. Ein Stetoskop kann Ihnen nach dem Training darüber Gewissheit verschaffen, ob Sie das Herz-Kreislauf-System Ihres Pferdes nicht überlastet haben.

Trainieren kann man in jeder Gangart, wobei Trab die ökonomischste ist. Falls Sie einen Naturtölter besitzen, der kraftsparender Tölten kann, als Traben, dann sollten Sie viel im Tölt reiten. Um ganz sicher zu gehen, welche Gangart für Ihr Pferd die "sparsamste" ist, sollten Sie eine Pulsuhr für Ihr Pferd benutzen. So können Sie genau wissen, wie hoch der Puls Ihres Pferdes während welcher Gangart ist. Zwingend notwendig ist eine Pulsuhr allerdings nicht.
Den Konditionszustand Ihres Pferdes können Sie aber auch mit einem Stethoskop ermitteln. Wichtig ist nämlich, wie schnell sich der Puls wieder erholt. Daran erkennt man die Kondition eines Pferdes. Unter unten anstehendem Link, können Sie solch eine Pulsuhr und ein Stethoskop näher betrachten.

Nicht zu vergessen ist die Dressurarbeit! Jeder "Leistungssportler" braucht eine Ausgleichssportart. Die Gymnastisierung des Pferdes durch Dressurarbeit ist unabdingbar!

Sie sollten sich ein Trainingstagebuch anlegen, so können Sie auch rückwirkend erkennen, wie sich die Leistung Ihres Pferdes gesteigert hat. Was für Daten in solch ein Trainingstagebuch gehören und wie man es führt finden Sie hier.

Der Puls (die Herzfrequenz) erlaubt eine klare Beurteilung der Beanspruchung des Pferdes. Er ist eine einfach zu erfassende Messgröße zur Diagnose über den Zustand des gesamten Herz-Kreislauf-Systems. Durch regelmäßiges messen des Pulses kann ein Leistungszuwachs oder aber auch die Erkrankungen des Pferdes erkannt werden. Beim Puls unterscheidet man generell zwischen dem Ruhe-, Start-, Belastungs- und Maximalpuls. Die Herzfrequenz eines Pferdes unterliegt aber auch äußeren Faktoren, wie Alter, Tages- und Jahreszeit, Klima, psychische Verfassung und Reaktionsbereitschaft, Gesundheits- und Trainingszustand, sowie Rasse und Geschlecht.

Als Ruhepuls
bezeichnet man die Anzahl der Herzschläge pro Minute, welche ein Pferd unter Ruhebedingungen macht. Am besten frei von Störungen aus der Umwelt. Der Ruhepuls kann ein Indiz dafür sein, wie Ihr Pferd sich fühlt. Wenn also der Ruhepuls Ihres Pferdes Normalerweise bei 38 Schlägen pro Minute liegt und er an einem Morgen (ohne Einfluss von Außen) bei 50 oder 55 Schlägen pro Minute liegt, könnte es bedeuten, dass Ihr Pferd sich noch nicht wieder erholt hat oder eine Erkrankung vorliegt.
Als Startpuls
versteht man die Herzfrequenz, welche das Pferd aufgesattelt und kurz vor dem losreiten hat. Sie können auch nur einen Startdurchschnittspuls (anstelle des Ruhepulses) ermitteln. Allerdings ist es schwieriger dort jedes mal die selben Bedingungen zu schaffen.
Der Belastungspuls
spiegelt die Herzfrequenz während der Belastung des Pferdes wieder. Hier unterteilt man die Belastung in die vom Pferd am häufig genutzten Gangarten. Beim Islandpferd wäre das z.B. Schritt, Trab, schneller Trab, Tölt, (eventuell auch dort Tempounterschiede, falls das Pferd sie anbietet), Galopp und Renngalopp. (Den Pass erwähne ich hier absichtlich nicht extra, da nur wenige Islandpferde ihn anbieten.)
Der Maximalpuls
ist die Herzfrequenz, welche Ihr Pferd nach 20 bis 60 Sekunden unter Höchstbelastung hat. Die maximale Herzfrequenz ist bei jedem Pferd anders und genetisch festgesetzt. Sie kann auch durch Training nicht nach oben hin verschoben werden. Da für ein gesundes Pferd solch ein maximal Pulstest ungefährlich ist, sollten Sie Ihren Tierarzt noch einmal vor dem Test konsultieren um zu klären, ob Ihr Pferd auch tatsächlich gesund ist. Vor dem Maximalbelastungstest sollten Sie folgenden Parameter berücksichtigen: Die letzte Fütterung sollte zwei bis drei Stunden zurückliegen. Das Pferd muss sich in einem ausgeruhten Zustand befinden. Ein Ruhetag vorher ist ratsam. Vor der Maximalbelastung ist das Auf- und Abwärmen des Pferdes unerlässlich. Wichtig sind gute Bodenbedingungen, um die Verletzungsgefahr zu minimieren.

Durchschnittswerte für den Puls bei Pferden
 
Geschwindigkeit
Herzfrequenz
Belastungsart
m/s
m/min
km/h
Schläge/min
Ruhe
0
0
0
30-50
Vorstart
0
0
0
65-100+
Schritt
1-2
125
6-8
50-90
Trab
3-4
250
10-15
80-125
schneller Trab
4-5
300
15-18
100-160
Galopp
6-9
500
24-32
160-200
Renngalopp
13+
600+
36-48+
205-240+

Ermittlung des individuellen Ruhepulses seines Pferdes: Messen Sie fünf Tage, zur selben Uhrzeit (am besten unter den gleichen Bedingungen), lang den Ruhepuls (am besten noch auf der Weide, dann ist er fast unverfälscht) und berechnen dann den Durchschnittswert. Beispiel: Mo/40 + Di/35 + Mi/39 + Do/36 + So/38 = 188 : 5 = 37,6. Also hat das Pferd einen Ruhepuls von 38 Schlägen pro Minute. Dieser Referenzwert darf aber nur gelten, wenn Ihr Pferd frei von Erkrankungen, Verletzungen und ausgeruht ist.
Ermittlung des Startpulses
: siehe Ermittlung Ruhepuls
Ermittlung der maximalen Herzfrequenz
: Den genausten Wert erzielen Sie, wenn Sie diesen Test an 5 Tagen machen (nicht hintereinander!), idealer Weise zu selben Bedingungen (Boden, Uhrzeit..). Aus diesen gewonnen Daten können Sie dann wieder den Durchschnittswert ermitteln (siehe Ruhepuls). Der Test: Entweder ein Sprint in maximaler Geschwindigkeit über 1000 Meter oder ein Hügellauf über 60 Sekunden. Da nur Ihre „Testperson“ weiß, ob Sie gerade alles gibt oder noch schneller könnte, ist es günstiger einen „Rennen“ zwischen 2 oder mehr Pferden zu machen. Wichtig ist im entdefekt, dass Ihr Pferd über 60 Sekunden lang in seiner Höchstleistung galoppiert. Denn erst dann haben Sie während dieser 60 Sekunden Maximalbelastung seinen individuellen Maximalpuls erfasst. Bitte machen Sie diesen Test nicht, wenn Sie sich unsicher darüber sind, ob es für Ihr Pferd vielleicht schädlich sein könnte. Z.B. aufgrund einer früheren Erkrankung o.ä.!!!! Es ist nicht zwingend notwendig den Maximalpuls seines Pferdes zu kennen. Man kann auch einen Richtwert aus Fachlektüren nehmen.

Individuelle Trainingszonen nach Herzfrequenz (HF) (als Beispiel ausgehend von einem 230 Maximalpuls)
Zone
Bezeichnung
Einstufung
Hauptzweck
       Stoffwechsel
%
der HF
HF/min für
Ihr Pferd

Aktivität

Z1
Erholung
sehr leicht
Erholung, Gesundheit
aerob
50-60 %
115-138
Schritt, Trab
Z2
leichte Bewegung
leicht
Fitneß
aerob
60-70 %
139-161
Trab
Z3
Gleichbleibende Phase
mittel bis angestrengt
Leistung
überw. aerob
70-80 %
162-184
ruh. Galopp
Z4
anaerobe Schwelle
angestrengt
Leistungssteigerung
Mischung von aerob + anaerob
80-90%
185-207
Galopp
Z5
max. Kapazität
sehr angestrengt
Wettkampf- (Top-) Form
kaum aerob
höchst anaerob
90-100%
208-230
Renngalopp