Islandpferdedistanz

Distanzreiten in Deutschland


Der deutsche Ursprung des Distanzsports ist beim Militär zu finden. Das Pferd fand früher seinen Einsatz als Nutztier oder wurde als edles Prestigeobjekt gehalten. Nur in der Kavallerie wurde es in Form der Gebrauchsreiterei verwendet. ( Def. Gebrauchsreiterei: ein Ausdruck für die Reitweisen die z.B. dem Viehtrieb dienen. Ein Reitstil also, der sich lediglich auf die zu verrichtende Arbeit des Reiters und Pferdes ausrichtet und keine weiteren Elemente, wie Dressurlektionen usw., enthält.)

1892 entstand ein legendärer Wettstreit zwischen der deutschen und der österreichischen Kavallerie. Trotz einer Siegesprämie ging es vor allem um die Frage der Ehre. Zusätzlich sollte dieses Rennen, die ehemals verfeindeten, und nun im Kriegsfall verbündeten, Armeen vereinen. Allerdings sollten die Offiziere auch ihr Wissen und ihr Können bezüglich ihrer Pferde unter Beweis stellen. Die Strecke Wien – Berlin wurde ausgewählt.
121 österreichische Kavalleristen ritten nach Berlin und 91 preußische Reiter von Berliner nach Wien. Der Reitweg, sowie die Pausenzeit und Ruheplätze durften selbst bestimmt werden. Es wurde Tag und Nacht geritten. Über die Grenzen der Erschöpfung hinaus. Nur etwa die Hälfte der deutschen Pferde erreichten das Ziel. Der österreichische Sieger Graf Starhemberg legte die etwa
570 km in 71 Stunden und 26 min zurück. Das zweitschnellste Pferd, die Stute Lippspringe, brach im Ziel zusammen und starb 2 Tage später an den Folgen. In der Internationalen Presse wurde das Rennen als „Metzelei“ bezeichnet, da angeblich der Tod eines Pferdes billigend in Kauf genommen wurde, um die hohe Siegesprämie zu kassieren.

Von 1894 bis ungefähr 1914 (Ausbruch des ersten Weltkrieges), wurde der Distanzritt in der deutschen Kavallerie, für die jüngeren Offiziere, zur Pflicht gemacht. Aufgrund der noch immer hohen Sterberate unter den Pferden, wurde die Strecke schrittweise von 180 km auf 80km verkürzt und später das Höchsttempo auf sechs Minuten pro Kilometer beschränkt. Zusätzlich mussten die Offizier am nächsten Tag die Reittauglichkeit ihrer Pferde unter Beweis stellen.

Mit der fortschreitenden Industrialisierung verlor das Reiten langer Strecken in Deutschland an Bedeutung. So geriet das Distanzreiten in Vergessenheit.

1969 veranstaltete der Erfinder der “Equitana”, Wolf Kröber, den ersten Distanzritt nach dem Krieg in Deutschland. Unter dem Motto “Reiten ist Wille ins Weite” fand dieser 50 km Ritt in Ankum statt. Erst 1973 wurden das erste Mal 100 km geritten, gefolgt 1974 vom ersten 100 Meiler (160km) in Deutschland von Hamburg nach Hannover, welcher übrigens immer noch stattfindet.

Der Verein Deutscher Distanzreiter und -fahrer e.V. (VDD) wurde 1976 gegründet.